Deutsche Bahn kündigt radikale Umstrukturierung an – 30 Prozent Führungsposten weg
Neue DB-Chefin Palla kündigt radikale Verschlankung an
Die Deutsche Bahn (DB) steht vor einer umfassenden Umstrukturierung. Neue Vorstandschefin Evelyn Palla hat Ende Dezember 2025 einen Verschlankungsplan präsentiert, der 30 Prozent der Führungspositionen abbauen soll. Der Aufsichtsrat genehmigte das Programm am 10. Dezember 2025. Ziel ist es, die DB agiler zu machen, Entscheidungen zu dezentralisieren und vor allem die Pünktlichkeit zu steigern.
Im Herbst 2025 erreichte die Pünktlichkeit der Fernzüge ein Tief: Nur 55 Prozent kamen weniger als sechs Minuten verspätet an – die Definition der DB für „pünktlich“. Die Infrastruktur ist marode: Rund 50 Prozent der Gleise befinden sich in mittelmäßigem, schlechtem oder mangelhaftem Zustand, wie das Bundesverkehrsministerium berichtet. Etwa 20 Prozent der Anlagen benötigen mittelfristig Erneuerung, darunter über hundert Jahre alte Stellwerke.
> „Drei Jahrzehnte lang hat die Bundesregierung zentrale bahnpolitische Fragen nicht angegangen.“ – Bundesrechnungshof in einem kürzlichen Bericht (DW, 29.12.2025).
Die Maßnahmen sind entscheidend für die Mobilität in Deutschland und die Wirtschaft. Der Plan adressiert jahrelanges Unterinvestieren und soll die DB wieder wettbewerbsfähig machen. Im Folgenden werden Details, Ursachen und Auswirkungen beleuchtet.
Details des Umstrukturierungsplans: Dezentralisierung und Effizienzsteigerung
Der Umstrukturierungsplan der DB umfasst eine radikale Verschlankung der Führungsebene. Etwa 30 Prozent der Führungspositionen sollen gestrichen werden, um Hierarchien abzuflachen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Dies soll die DB agiler machen und die Pünktlichkeit verbessern, die auf einem historischen Tief steht.
Die Maßnahmen zielen auf Dezentralisierung ab: Lokale Einheiten erhalten mehr Kompetenzen, um Störungen schneller zu beheben. Zudem wird die Organisation in Profitcenter umgewandelt, um Effizienz zu fördern. Die DB AG, gegründet 1994 durch die Fusion der ost- und westdeutschen Bahnen, soll durch diese Reformen ihrem ursprünglichen Ziel einer marktorientierten Struktur näherkommen.
Palla betonte in ihrer Präsentation Mitte Dezember 2025, dass Investitionen in die Infrastruktur priorisiert werden, nachdem jahrzehntelanges Sparen zu Verfall geführt hat. Der Plan tritt 2026 in Kraft und wird vom Aufsichtsrat unterstützt.
Wichtige Eckdaten des Plans:
- 30% Reduktion Führungsposten
- Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen
- Fokus auf Agilität und Kundennähe
- Erhöhte Investitionen in Wartung und Modernisierung
Pünktlichkeitskrise: Nur 55 Prozent der Fernzüge on time
Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn hat im Herbst 2025 ein neues Tief erreicht. Nur 55 Prozent der Fernzüge kamen weniger als sechs Minuten verspätet an. Besonders in dicht besiedelten Regionen ist die Zuverlässigkeit gering.
Internationale Konsequenzen zeigen die Dringlichkeit: Im Sommer 2024 verbot die Schweiz DB-Züge auf ihrem Netz, da chronische Verspätungen die präzisen Schweizer Fahrpläne störten. Dies unterstreicht den Abstand zu Nachbarländern wie der Schweiz und Österreich, die höhere Investitionen tätigen.
Erfahrene Mitarbeiter kritisieren den Personalmangel:
> „Damals, wenn man durchs Dorf ging, wurde man wie ein Held begrüßt - wie ein Feuerwehrmann. Heute heißt es eher: Ach, er ist Lokführer. Du bist nichts.“ – Jens Kaminski, Lokführer seit 1994 (DW, 29.12.2025).
> „Wir hatten zwölf Leute in Bereitschaft im Depot. Wenn etwas schiefging - eine Panne, irgendetwas -, sprangen sie ein und reparierten es. [...] Heute gibt es keine Bereitschaftsteams mehr. Zu teuer.“ – Jens Kaminski (DW, 29.12.2025).
Die Krise trifft Pendler und Wirtschaft hart, da die DB für Mobilität essenziell ist.
Marode Infrastruktur: 50 Prozent der Gleise defizitär
Die Infrastruktur der DB ist stark abgenutzt. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind 50 Prozent der Gleise in mittelmäßigem, schlechtem oder mangelhaftem Zustand. Rund 20 Prozent der Anlagen erfordern mittelfristig Erneuerung, einschließlich über 100 Jahre alter Stellwerke, die dringend saniert werden müssen.
Über die letzten 30 Jahre hat Deutschland weniger in Bahnwartung und Modernisierung investiert als Nachbarländer. Das Netz schrumpfte trotz steigender Nachfrage nach Pendlerverkehr. Die 1994er Reformen zur AG-Umwandlung priorisierten Kosteneinsparungen über Instandhaltung: Nebengleise wurden stillgelegt, Bereitschaftsteams abgebaut.
> „Drei Jahrzehnte lang hat die Bundesregierung zentrale bahnpolitische Fragen nicht angegangen.“ – Bundesrechnungshof (DW, 29.12.2025).
Diese Vernachlässigung führt zu Störungen und Verspätungen, die die gesamte Wirtschaft belasten. Die Umstrukturierung unter Palla will hier ansetzen.
Historischer Kontext und breitere Implikationen
Die Deutsche Bahn entstand 1994 aus der Fusion der Deutschen Reichsbahn (DDR) und der Deutschen Bundesbahn (BRD) als staatliche AG, um wettbewerbsfähig zu werden und eine Börsennotierung vorzubereiten. Stattdessen führten aggressive Einsparungen zu Unterinvestitionen.
Regierungen wurden vom Bundesrechnungshof für jahrelanges Ignorieren bahnpoltischer Kernprobleme kritisiert. Die aktuelle Krise, verschärft durch die Schweiz-Verbannung 2024, zeigt systemische Defizite.
Implikationen:
- Wirtschaftliche Belastung: Verspätungen kosten Milliarden durch Produktivitätsverluste.
- Mobilitätsdefizite: Steigender Fernpendeln verstärkt Abhängigkeit von zuverlässiger Bahn.
- Politischer Druck: Neue Plan könnte Regierung zu höheren Investitionen zwingen.
Pallas Reformen zielen auf Wende ab, doch Erfolg hängt von Finanzierung und Umsetzung ab.
Ausblick: Wende für die Deutsche Bahn möglich?
Die radikale Umstrukturierung der DB unter Evelyn Palla markiert einen Wendepunkt. Mit 30 Prozent weniger Führungspositionen, Dezentralisierung und Fokus auf Infrastruktur soll die Pünktlichkeit von aktuell 55 Prozent steigen. Die marode Infrastruktur – 50 Prozent defizitärer Gleise – erfordert massive Investitionen.
Experten wie Jens Kaminski mahnen vor Personalmangel, der durch Einsparungen verschärft wurde. Der Bundesrechnungshof kritisiert 30 Jahre politische Vernachlässigung.
Zusammenfassend adressiert der Plan akute Probleme, doch langfristiger Erfolg erfordert staatliche Unterstützung und konsequente Umsetzung. Für Investoren und Wirtschaft bleibt die DB ein kritischer Faktor in Deutschlands Mobilitätslandschaft.
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